Morgenimpuls am 24. Juni 2020

Guten Morgen zusammen!

Zugegeben, als ich in der Grundschule von Johannes dem Täufer hörte, dessen Namenstag wir heute feiern, da kam mir dieser Heilige ziemlich seltsam, fremd und sogar befremdlich vor. Der „Wüstenprediger“ legte offensichtlich wenig Wert auf sein Äußeres. Mit Kamelhaar und einem ledernen Gürtel um seine Hüften war er bekleidet, von wildem Honig und von Heuschrecken ernährte er sich. Das klang so sonderbar und so anders als das, was meine Freunde und ich kannten. Erst später beschäftigte ich mich intensiver mit meinem Namenspatron.

Darstellung aus der Kirche St. Johannes der Täufer in Schneidhain
(https://www.taunus-nachrichten.de/koenigstein/nachrichten/schneidhain)

Johannes sah es als seine Berufung an, auf Jesus von Nazareth hinzuweisen. Er forderte von seinen Landsleuten eine radikale Abkehr von ihrem Leben, eine Änderung ihres sozialen Verhaltens. Er übte radikale Kritik an manchen Vertretern der politisch-religiösen Oberschicht und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Eine „Schlangenbrut“ nannte er zum Beispiel die Herrschenden in Jerusalem. „Schon ist die Axt erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Wer umkehrt zu Gott, den taufe ich mit Wasser. Aber nach mir wird einer kommen, der viel mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhriemen zu öffnen.“

Beliebt hat sich Johannes mit solchen Sätzen nicht gemacht, und doch muss von diesem ungepflegten Sonderling eine Faszination ausgegangen sein, dass sich so viele Menschen solch harte Worte anhörten und sich dann im Jordan von ihm taufen ließen. Die Menschen damals erkannten, dass sein Leben in der Wüste asketisch und konsequent war und dementsprechend zu dem passte, was er den Menschen predigte. Authentizität kann man von Johannes lernen und seine Lebensweise kann uns einen Impuls geben, den Stellenwert des eigenen Konsumverhaltens zu hinterfragen.
Aber was diesen Johannes wirklich groß macht, ist seine Bescheidenheit. Die Größe des Johannes bestand darin, dass er sich nicht wichtiger machte als die Botschaft, die er zu verkünden hatte. Auch Bescheidenheit können wir von ihm lernen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.
Für viele war Johannes der Täufer eben deshalb ein unbequemer Zeitgenosse, weil er den Finger in die Wunden seiner Zeit legte. Er sagte gerade heraus, was er für richtig hielt. Als er schließlich dann auch noch die familiären Verhältnisse des Herodes Antipas öffentlich anprangerte, der unrechtmäßig die Frau seines Bruders geheiratet hatte, landete er im Gefängnis. Johannes zeigte Zivilcourage, er war bereit, seinen Kopf hinzuhalten für die Botschaft, der er sein Leben verschrieben hatte.

Beeindruckend sind Menschen in Gesellschaft, Politik und Kirche, denen es auch heute gelingt, authentisch zu leben, bescheiden aufzutreten und couragiert dafür einzutreten, wovon sie zutiefst überzeugt sind.
Bewundernswert solche Menschen, die nicht an ihrer Macht kleben und denen es nicht um ihre eigene Person geht, sondern allein um die Zukunftsvision für ein friedliches menschliches Miteinander, unabhängig von Abstammung, Kultur oder religiöser Zugehörigkeit. In Anlehnung an die biblische Gestalt des Propheten hat es Martin Luther King einmal so formuliert: „Wahre Religion muss sich auch um die sozialen Verhältnisse des Menschen kümmern. Sie hat es mit beiden, Himmel und Erde, mit Zeit und Ewigkeit zu tun. Sie sucht nicht nur die Menschen mit Gott, sondern auch die Menschen untereinander zu vereinen.“

Authentisch, bescheiden, aber auch couragiert: Diese drei Charakteristika durchziehen das Leben des Wüstenpredigers. Deswegen kann er uns heute sehr wohl ein Vorbild sein, nicht unbedingt in Fragen von Mode und Ernährung, mit Sicherheit aber in seiner Grundhaltung.

Johannes Leifeld

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