Morgenimpuls am 9. Juli 2020

Guten Morgen liebe Schulgemeinschaft,

Glück oder Unglück? Richtig oder falsch? Ja oder Nein?

Gerade in der heutigen Zeit kamen sicherlich schon viele von euch in die Situation, sich eine dieser Fragen zu stellen.
Bin ich glücklich, weil ich nicht jeden Morgen früh aufstehen und in die Schule muss, oder bin ich unglücklich, weil ich keine Gelegenheit habe, meine Freunde zu treffen oder meine Fragen direkt an die Lehrer zu richten?
Ist es richtig, dass ich mich langsam wieder freier bewegen darf, oder werden die Lockerungen zu schnell durchgeführt?

Es gäbe noch viele weitere Beispiele, die Fragen aufkommen lassen, deren Antwort wir nicht mit Sicherheit kennen; deren Antwort sich erst nach kurzer oder auch sehr langer Zeit finden lässt.

Auch wenn wir versuchen, durch kritisches Hinterfragen, vorausschauendes Denken und bewusstes Handeln unser Leben so gut und sinnvoll wie möglich zu gestalten, müssen wir lernen, dass wir uns nicht immer aussuchen können, was im Leben passiert; aber wir alleine können entscheiden, wie wir damit umgehen.

In diesem Sinne lasst uns beten:

Jeder Tag birgt eine neue Chance in sich. 
Ich kann sie nutzen 
und diesen Tag zu meinem Tag machen, 
zu einem guten Teil meines Lebens. 
Auch wenn dieser Tag nichts Besonderes bietet: 
Ist nicht mein Alltag mit dir schon etwas Besonderes? 
Ich will mich besinnen auf das, was ich habe: 
Es ist so viel. 
Jeder Tag birgt eine neue Chance in sich. 
Dafür danke ich dir, himmlischer Vater, 
ich danke dir für deine Liebe.

Amen.

Ich wünsche euch und Ihnen einen schönen Tag.

Anna Lehnert

Morgenimpuls am 2. Juli 2020

Liebe Schulgemeinschaft,

ich begrüße euch alle zu diesem Morgenimpuls. Es dauert nicht mehr lange, bis die Sommerferien beginnen und wir unsere Seele baumeln lassen können. Allerdings wird uns auch bewusst, wie sehr die Ferienzeit vom Corona-Virus geprägt sein wird. Nach den vergangenen Monaten und Wochen brauchen wir Zeit, um uns zu erholen und andere Eindrücke sammeln zu können. Viele werden die heimatlichen Gefilde verlassen und einen Teil der Ferien vielleicht am Meer oder in den Bergen verbringen.

Betrachtet bitte das Bild und überlegt, welche Gedanken euch dabei in den Sinn kommen.

Wo würdet ihr auf diesem Bild Platz nehmen? Warum entscheidet ihr euch für diese Stelle?

Das Bild wird dominiert von der Farbe Grün. Grün steht u. a. für Wachstum, Hoffnung, Zuversicht, Entspannung. Ihr erkennt auf einem Felsplateau eine kleine Siedlung, allerdings wirkt diese Siedlung menschenleer. Zahlreiche Steine liegen auf der Wiese und durch das Bild schlängelt sich ein kleiner Bach. Außerdem fällt der Blick auf eine Straße, die sich in Serpentinen aus dem Tal hinauf auf dieses Plateau windet. Serpentinen überwinden die Steigungen und sind die beste Möglichkeit, im Gebirge schnell an Höhe zu gewinnen. Der Blick des Betrachters geht nicht ins Tal, sondern auf den gegenüberliegenden Berg.
Für viele Menschen sind Berge und ihre Gipfel Sehnsuchtsorte, an denen sie sich Gott nahe fühlen.

Auch die Bibel kennt viele Berge als Orte, an denen Menschen in besonderem Maße die Nähe Gottes erfahren haben.
Auf dem Berg Sinai erhält Mose von Gott die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten. Die Menschen brauchen diese Gebote, um sich sowohl gegenüber Gott als auch gegenüber den Mitmenschen richtig zu verhalten; auf diesem Berg kommt es auch zum Bundesschluss zwischen Gott und seinem auserwählten Volk.
Auf einem anderen Berg hielt Jesus vor seinen Jüngern die sogenannte Bergpredigt. Hier formuliert Jesus sein ethisches Programm: die Menschen sollen ihren Nächsten lieben wie sich selbst und auch den Feinden sollen die Menschen liebevoll begegnen – ist diese Forderung nicht eine Zumutung?

Abschließend möchte ich auf Martin Luther King eingehen, der am Abend vor seiner Ermordung in Memphis eine Ansprache hielt, in der er eine Gotteserfahrung beschreibt, die ihn tief beeindruckt hat:
„Ich verließ Atlanta heute früh, wir waren eine Gruppe von sechs, und als der Flug begann, sagte der Pilot über Lautsprecher: ‚Entschuldigen Sie bitte die Verspätung, aber wir haben Dr. Martin Luther King an Bord. Um sicherzugehen, dass alles Gepäck kontrolliert und alles an Bord in Ordnung war, mussten wir alles sorgfältig prüfen. Das Flugzeug wurde die ganze Nacht bewacht.‘ Und dann landeten wir in Memphis. Und einige sprachen von Drohungen, die im Umlauf waren, und von dem, was mir von einigen unserer kranken weißen Brüder widerfahren könnte.
Nun, ich weiß nicht, was jetzt geschehen wird. Schwierige Tage liegen vor uns. Aber das macht mir jetzt wirklich nichts aus. Denn ich bin auf dem Gipfel des Berges gewesen. Ich mache mir keine Sorgen. Wie jeder andere würde ich gern lange leben. Langlebigkeit hat ihren Wert. Aber darum bin ich jetzt nicht besorgt. Ich möchte nur Gottes Willen tun. Er hat mir erlaubt, auf den Berg zu steigen. Und ich habe hinüber gesehen. Ich habe das Gelobte Land gesehen. Vielleicht gelange ich nicht mit euch dorthin. Aber ihr sollt heute Abend wissen, dass wir, als ein Volk, in das Gelobte Land gehen werden. Und deshalb mache ich mir keine Sorgen wegen irgendetwas. Ich fürchte niemanden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.“
Diese Gotteserfahrung auf einem Berg hat Martin Luther King in seinen letzten Stunden getragen und ihm Kraft angesichts vieler Anfeindungen verliehen.

So wollen auch wir auf Gott vertrauen, gerade wenn wir das Gefühl haben, unsere Berge nicht mehr erklimmen zu können.

Lasst uns beten!

Guter Gott,
du zeigst uns, wie groß und weit deine Welt ist,
wie reich und bunt unser Leben ist.
Locke uns heraus aus unserer verplanten Zeit, aus unseren Gewohnheiten,
damit wir gerade in dieser Zeit der Ruhe uns selbst entdecken und neue Wege finden.
Lass uns die Stille neu spüren, damit wir unsere Augen
öffnen für all das Schöne in dieser Welt,
dass du uns geschenkt hast.
Schenke uns ein offenes Herz für diese freie Zeit,
damit wir das tun, was wir können, was uns freut,
und glücklich macht.
Guter Gott, du bist immer da, du kennst uns, du hast
uns lieb. Egal, wo wir sind, du gibst uns Sicherheit,
du hältst uns in deiner Hand geborgen.

So segne euch der Gott, der unsere Wege begleitet.
Amen

Karin Kowalkowski-Renner

Morgenimpuls am 24. Juni 2020

Guten Morgen zusammen!

Zugegeben, als ich in der Grundschule von Johannes dem Täufer hörte, dessen Namenstag wir heute feiern, da kam mir dieser Heilige ziemlich seltsam, fremd und sogar befremdlich vor. Der „Wüstenprediger“ legte offensichtlich wenig Wert auf sein Äußeres. Mit Kamelhaar und einem ledernen Gürtel um seine Hüften war er bekleidet, von wildem Honig und von Heuschrecken ernährte er sich. Das klang so sonderbar und so anders als das, was meine Freunde und ich kannten. Erst später beschäftigte ich mich intensiver mit meinem Namenspatron.

Darstellung aus der Kirche St. Johannes der Täufer in Schneidhain
(https://www.taunus-nachrichten.de/koenigstein/nachrichten/schneidhain)

Johannes sah es als seine Berufung an, auf Jesus von Nazareth hinzuweisen. Er forderte von seinen Landsleuten eine radikale Abkehr von ihrem Leben, eine Änderung ihres sozialen Verhaltens. Er übte radikale Kritik an manchen Vertretern der politisch-religiösen Oberschicht und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Eine „Schlangenbrut“ nannte er zum Beispiel die Herrschenden in Jerusalem. „Schon ist die Axt erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Wer umkehrt zu Gott, den taufe ich mit Wasser. Aber nach mir wird einer kommen, der viel mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhriemen zu öffnen.“

Beliebt hat sich Johannes mit solchen Sätzen nicht gemacht, und doch muss von diesem ungepflegten Sonderling eine Faszination ausgegangen sein, dass sich so viele Menschen solch harte Worte anhörten und sich dann im Jordan von ihm taufen ließen. Die Menschen damals erkannten, dass sein Leben in der Wüste asketisch und konsequent war und dementsprechend zu dem passte, was er den Menschen predigte. Authentizität kann man von Johannes lernen und seine Lebensweise kann uns einen Impuls geben, den Stellenwert des eigenen Konsumverhaltens zu hinterfragen.
Aber was diesen Johannes wirklich groß macht, ist seine Bescheidenheit. Die Größe des Johannes bestand darin, dass er sich nicht wichtiger machte als die Botschaft, die er zu verkünden hatte. Auch Bescheidenheit können wir von ihm lernen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.
Für viele war Johannes der Täufer eben deshalb ein unbequemer Zeitgenosse, weil er den Finger in die Wunden seiner Zeit legte. Er sagte gerade heraus, was er für richtig hielt. Als er schließlich dann auch noch die familiären Verhältnisse des Herodes Antipas öffentlich anprangerte, der unrechtmäßig die Frau seines Bruders geheiratet hatte, landete er im Gefängnis. Johannes zeigte Zivilcourage, er war bereit, seinen Kopf hinzuhalten für die Botschaft, der er sein Leben verschrieben hatte.

Beeindruckend sind Menschen in Gesellschaft, Politik und Kirche, denen es auch heute gelingt, authentisch zu leben, bescheiden aufzutreten und couragiert dafür einzutreten, wovon sie zutiefst überzeugt sind.
Bewundernswert solche Menschen, die nicht an ihrer Macht kleben und denen es nicht um ihre eigene Person geht, sondern allein um die Zukunftsvision für ein friedliches menschliches Miteinander, unabhängig von Abstammung, Kultur oder religiöser Zugehörigkeit. In Anlehnung an die biblische Gestalt des Propheten hat es Martin Luther King einmal so formuliert: „Wahre Religion muss sich auch um die sozialen Verhältnisse des Menschen kümmern. Sie hat es mit beiden, Himmel und Erde, mit Zeit und Ewigkeit zu tun. Sie sucht nicht nur die Menschen mit Gott, sondern auch die Menschen untereinander zu vereinen.“

Authentisch, bescheiden, aber auch couragiert: Diese drei Charakteristika durchziehen das Leben des Wüstenpredigers. Deswegen kann er uns heute sehr wohl ein Vorbild sein, nicht unbedingt in Fragen von Mode und Ernährung, mit Sicherheit aber in seiner Grundhaltung.

Johannes Leifeld

Morgenimpuls am Herz-Jesu-Fest, dem 19. Juni 2020

Liebe Schulgemeinschaft,

ich begrüße euch zu diesem Morgenimpuls und Gebet am Herz-Jesu-Fest!

Heute, am 19. Juni, feiert das Kloster Handrup den 99. Jahrestag der Grundsteinlegung. Die Herz-Jesu-Priester konnten im Jahr 1921 mit der Gründung eines Klosters in Handrup beginnen. Wir wünschen der gesamten Klostergemeinschaft „viel Glück und viel Segen auf all ihren Wegen“.

Und heute feiern wir das Herz-Jesu-Fest, jedes Jahr ein Hochfest im Kirchenjahr, zudem das Patronatsfest des Ordens der Herz-Jesu-Priester und der Kirchengemeinde Handrup.

Grundstein Eingang des Klosters Handrup

Aber was feiern wir eigentlich am Herz-Jesu-Fest?

Es geht um die Liebe Gottes, die im Symbol des Herzens Jesu ausgedrückt wird. Wir alle kennen verschiedene Darstellungen, besonders natürlich das Herz-Jesu-Kreuz unseres Klosters und Gymnasiums.

(1) Herz-Jesu-Kreuz / Logo der Kongregation der Herz-Jesu-Priester;
(2) Altar Klosterkirche Handrup;
(3) Herz-Jesu-Statue vor der Hauskapelle

Die Ursprünge des Herz-Jesu-Gedenkens liegen in der Bibel, genauer gesagt im Johannesevangelium. Dort heißt es, dass nach der Kreuzigung Jesu ein Soldat mit einer Lanze in seine Seite stieß und sogleich Blut und Wasser herausflossen. (Joh 19,34) Schon sehr früh wurde das durchbohrte Herz Jesu als Symbol seiner Menschheit und als Ausdruck seiner besonderen Liebe zu den Menschen gedeutet.

Gott hat ein Herz für die Menschen und Jesus ist dieses Herz. Wenn wir vom Herzen Jesu und seiner Verehrung sprechen, dann meinen wir nicht den Herzmuskel, sondern das Innerste Jesu, die Mitte seiner Person, seine Liebe zu uns. Die Liebe Gottes zu uns Menschen hat in Jesus Gestalt angenommen, ist Hand und Fuß und Herz geworden. Es ist ein Herz voll Mitleid und Mitgefühl für die Menschen in ihren Anliegen und Nöten. Wenn ihr euch mit den Evangelientexten des Neuen Testaments beschäftigt, könnt ihr Jesus Christus entdecken und kennenlernen. Im Matthäusevangelium heißt es z. B.: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft.“ (Mt 9,36) Oder an einer anderen Stelle finden wir eine Einladung Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ (Mt 11,28-29) Nach der Vision der heiligen Margaretha-Maria Alacoque wird das Herz Jesu ikonographisch vor allem als ein flammendes Herz dargestellt, aus dem ein Kreuz emporwächst und welches von einer Dornenkrone umgeben ist.

(1) Statue in der Klosterkirche Handrup;
(2) Kerze in der Hauskapelle

In der heutigen Zeit, in der die Herz-Jesu-Frömmigkeit nicht mehr so ausgeprägt ist wie in vorigen Jahrhunderten, lohnt es sich über die Aktualität nachzudenken. Dabei wird deutlich, dass es mitunter nötig ist, einen neuen Zugang zu diesem Fest zu eröffnen. Vom Leben Jesu her lädt das Herz-Jesu-Fest ein, neu über die konkrete Liebe, über das große Geschenk der Liebe in unserem Leben nachzudenken. Liebe ist nie abstrakt, wir erfahren sie täglich oder werden von einem Mangel an Liebe bedrückt.
Schauen wir heute einmal in unser Leben und entdecken die vielen Spuren der Liebe und werden dankbar dafür. Viele Menschen zeigen uns jeden Tag ihre Liebe, ihre Zuneigung und Wertschätzung, ohne die wir gar nicht leben könnten.  
Und auch Gott zeigt uns in Jesus: wir Menschen sind ihm nicht fremd, wir sind ihm wichtig. Wir liegen Gott am Herzen.  

Lasst uns nun gemeinsam aus dem Schulgebetbuch die Nr. 148 beten:

Herr Jesus Christus,
du hast ein Herz für uns Menschen.
Nimm diesen Tag.
Nimm an unser Gebet, unsere Kontakte zu anderen,
unser Lernen, unser Arbeiten, unsere Sorgen und unsere Freude.
Lass uns dich immer mehr kennenlernen als die Quelle des Lebens und der Liebe.
Schenke uns die Kraft, allen Menschen, vor allem den Armen, zu dienen.
Amen.

So wünsche ich euch ein gesegnetes Herz-Jesu-Fest und ein schönes Wochenende.

Schwester Hanna

Morgenimpuls am 15. Juni 2020

Vergleiche dich mit niemandem – außer mit dir selbst!

Kennst du das – den Vergleich mit anderen? Häufig machen wir den Fehler, dass wir uns mit anderen vergleichen und daraufhin neidisch auf die „coolen“ und beliebten Menschen in unserem Umfeld sind. Sie zeigen uns nur das Positive ihres Lebens und ihre Stärken, so dass wir in uns nur das Negative und unsere Schwächen sehen. Wir versuchen dann, genauso wie diese zu sein, weil wir uns erhoffen, dass wir dann plötzlich zu einem glücklicheren Menschen werden. Jedoch versteckt sich hinter deren Fassade meist eine ganz andere Persönlichkeit. Sie erscheint uns zwar als Idealbild, die Personen überspielen aber oftmals ihre eigenen Probleme, um nach außen hin glücklicher zu wirken.

Doch wahres Glück und Zufriedenheit beginnt immer bei einem selbst und nicht durch den Vergleich mit anderen. Also vergleiche dich nicht zu viel mit anderen Menschen, sondern fokussiere dich einzig und allein auf deine Fortschritte und Ziele. Denn was im Endeffekt zählt, ist, dass du dich selbst weiterentwickelst.

Nimm dir also ab und zu die Zeit, deine letzten Wochen und Monate zu reflektieren. Was hat die letzten Monate vielleicht nicht so gut geklappt? Welche negativen Erfahrungen hast du in den letzten Wochen gesammelt? Lerne aus deinen Fehlern und finde heraus, was du noch besser machen könntest.
Dir sind aber doch bestimmt auch positive Erlebnisse widerfahren und du hast Erfolge feiern können, die dich jetzt weiterhin motivieren werden?!

So lernst du, dich selbst mehr wertzuschätzen!

Passend zu diesem Thema hat Elke Chladek, Gemeindereferentin in der Schulpastoral, ein Gebet verfasst, in dem es um die eigene und individuelle Persönlichkeit geht, die von Gott wertgeschätzt wird:

Guter Gott,
am Morgen eines neuen Tages bitten wir dich um deinen Segen.
Segne uns, wenn es uns gut geht,
segne uns, wenn wir nicht gut drauf sind.
Segne uns, wenn die Schule uns Freude macht,
segne uns, wenn wir die Schule satthaben.
Segne uns, wenn wir einander zum Segen werden,
segne uns, wenn wir einander auf die Nerven fallen.
Segne uns, so wie wir sind, mit unserem Licht
und unserem Schatten, unseren Höhen und Tiefen.
Segne uns Gott, du Gott unseres Lebens,
denn für dich ist jeder Mensch liebenswert und wertvoll,
für dich ist jeder Mensch ein Schatz.
Amen.

In diesem Sinne wünschen wir Euch und Ihnen einen guten Start in den neuen Schultag!

Franca Niehues und Joke Wesenberg
(Schülerinnen der Klasse 10f)

Morgenimpuls am 5. Juni 2020

Guten Morgen, liebe Schulgemeinschaft!

Halt neuer Plan dann, denn Leben ist Veränderung
Egal was kommt, es wird gut, sowieso
Immer geht 'ne neue Tür auf, irgendwo
Auch wenn's grad nicht so läuft, wie gewohnt
Egal, es wird gut, sowieso

Einige von euch werden das Lied „Sowieso“ von Mark Forster sicherlich kennen, nicht zuletzt von der Verabschiedung der Abiturientia 2017.
Hier könnt ihr es euch noch einmal anhören:

Das Lied beschreibt auf eindrucksvolle Art und Weise das, was in den ersten Tagen und Wochen zurück an der Schule erlebbar war und ist. Vieles hat sich verändert – im privaten wie im schulischen Leben.

Leben heißt Veränderung, singt Mark Forster voller Hoffnung und Lebensfreude. Es läuft eben nicht immer alles nach Plan. Doch diese Änderung bedeutet auch, dass es weitergeht und wir nicht auf der Stelle verharren. Schritt für Schritt nähern wir uns wieder dem Alltag, dem Gewohnten. Vielleicht ist diese Krise eine Chance, vielleicht sogar auf eine nachhaltige Veränderung, eine Chance, Gewohnheiten zu überdenken und vieles nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Beobachtet man die Schulgemeinschaft in den vergangenen Wochen, so spürt man dies sehr deutlich. Und vielleicht ist genau das unsere Chance, die Werte einer Gemeinschaft wie der unseren schätzen zu lernen und uns auf das Vertrauen in Gott zurückzubesinnen.

Wir wollen nun gemeinsam beten:

Guter Gott,
meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.
Amen

Auch wenn uns vieles momentan nicht wie gewohnt erscheint, so spürt man bereits: „Es wird gut, sowieso!“

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen einen guten Start in den Tag, sowie ein schönes Wochenende!

Vanessa Tallen

Morgenimpuls am 3. Juni 2020

Guten Morgen, liebe Schulgemeinschaft!

Ich hoffe, ihr hattet ein schönes, erholsames Pfingstwochenende.

„Gemeinschaft“ – schon die Google-Trefferzahl von 41,6 Millionen verdeutlicht die Bedeutsamkeit dieses Wortes, das im Fokus des heutigen Morgenimpulses steht.

Jeder Mensch braucht Gemeinschaft. Schon Sokrates, der etwa 500 vor Christus im alten Griechenland lebte und wirkte, hielt den Menschen für ein „Gemeinschaftstier“. Aber warum strebt jeder Einzelne nach Miteinander und Begegnung? Die Gemeinschaft mit anderen birgt vielerlei Gutes: Sie schenkt Sicherheit und Geborgenheit, schützt vor Isolation und Einsamkeit, wirkt identitätsstiftend und sagt somit etwas über einen Menschen, über seinen Charakter und seine Persönlichkeit, aus.
Es gibt etliche Beispiele dafür, wie Menschen Gemeinschaft erfahren und erleben: das Treffen unter Freunden, ein Fest in der Nachbarschaft, Familienfeiern, das gemeinsame Anfeuern einer Fußballmannschaft im Stadion, Klassen- und Schulfahrten … Auch dort, wo sich Menschen zur Eucharistiefeier oder zum Gebet versammeln, entsteht eine Gemeinschaft.

Die St. Joseph’s Indian School in Chamberlain, South Dakota, unsere amerikanische Partnerschule, feiert seit 1976 jedes Jahr powwow – ein Volksfest, bei dem der gemeinschaftliche Geist gestärkt und die Verbundenheit mit der indianischen Kultur aktiv gelebt wird.

Das folgende Video zeigt Eindrücke des 43. Powwow Festivals, welches im vergangenen Jahr stattfand:

Gemeinsam lachen und tanzen, bunte Kostüme, Spiele und Wettbewerbe, traditionelle Lakota (Sioux) Speisen – all das zeichnet powwow aus. Die Schülerinnen und Schüler teilen ihre indianische Kultur und Tradition und erfahren gleichzeitig in der Gemeinschaft mit anderen Zusammenhalt, Zustimmung und Akzeptanz.

Durch die derzeitige Situation wird unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft spürbar; und sie wird stärker, je länger die Kontaktbeschränkungen anhalten. So wie hierzulande bevorstehende gemeinschaftliche Ereignisse abgesagt bzw. verschoben werden, wird auch das diesjährige powwow leider nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen stattfinden können.

In der Hoffnung, dass die aktuelle positive Entwicklung anhält und bald weitere Treffen und Begegnungen möglich sein werden, wollen wir zu Gott beten, der Gemeinschaft mit uns sucht und schafft:

Guter Gott, wir danken dir für die Menschen,
die mit uns auf dem Weg sind.
In der Gemeinschaft mit ihnen erfahren wir etwas von
der Freude des Lebens, die du uns schenken möchtest.
Wir glauben, dass du besonders nahe bist, wenn wir die
trennenden Grenzen und die Enge unserer Wünsche
überwinden und Wege zueinander suchen.
Wir bitten dich, lass alle Menschen das Gefühl
der Geborgenheit und des Angenommenseins
durch uns erfahren.
Darum bitten wir dich durch Jesus, unseren Bruder.
Amen

Mit dem heutigen Wiedereinstieg der Jahrgänge 7 und 8 in den Präsenzunterricht wird unsere Schulgemeinschaft noch sichtbarer. In diesem Sinne wünsche ich insbesondere den „Neueinsteigern“ einen angenehmen Schulstart und allen eine gute Woche.

Magdalena Alves

Morgenimpuls am 27. Mai 2020

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Die Schule. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Dies sind die Abenteuer des Gymnasiums Leoninum, das mit seiner 1300 köpfigen Besatzung unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen …

Mit diesen aus dem Vorspann der Star Trek-Saga geliehenen Worten begrüße ich euch herzlich zu diesem Morgenimpuls.

Alle, die schon wieder im Präsenzunterricht angekommen sind, können bestätigen, wie anders es sich anfühlt, mit so wenigen Menschen in den Weiten unserer Schule unterwegs zu sein, vor allem die Pioniere aus dem Jahrgang zwölf. Mithilfe des Internets haben wir alle im Umgang mit dem Homeschooling neue Welten erkundet. Gezwungenermaßen haben wir ein neues Leben voller Einschränkungen, aber auch Bewältigungsstrategien kennengelernt. Die neue Zivilisation, also ein gutes Miteinander unter Einhaltung der Sicherheitsregeln, ist nun die nächste Herausforderung, der wir uns als Schulgemeinschaft stellen.

Weite kann sehr gegensätzlich wirken:

Die Bilder von verlassenen Tummelplätzen der Weltgeschichte, vom ausgestorbenen Markusplatz in Venedig oder auch von der leergefegten Puerta del Sol in Madrid, den die meisten von Euch auf unserer Spanienfahrt voller Menschen aus aller Welt erlebt haben, wirken geradezu unheimlich. Allein auf weiter Flur kann man sich einsam, verlassen und verloren fühlen. Und wenn dann auch noch plötzlich für selbstverständlich und sicher geglaubte Dinge und Pläne wegfallen, verwandelt sich Weite in bodenlose Leere.

Von solcher Verlassen- und Verlorenheit spricht auch der einunddreißigste Psalm. Er handelt von Enttäuschung, Bedrohung, Verlust, Angst und Verzweiflung, wie sie viele angesichts der dramatischen Folgen dieser Pandemie erleben. Und wo ein Ende nicht in Sicht ist, wirken die unendlichen Weiten, die sich da auftun, umso beängstigender.

Dem Menschen, der den Psalm betet, gelingt jedoch etwas Entscheidendes: Er verharrt nicht in seiner einsamen Angst, sondern er sucht und vertraut auf Hilfe. Er erinnert sich daran, bewahrt und angenommen worden zu sein. Und aus dieser Erinnerung heraus fasst er das Vertrauen, das es braucht, um die Perspektive zu wechseln und Hoffnung zu schöpfen.

In Vers neun heißt es: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Im Vertrauen auf Gott kann aus der bedrohlich endlosen Leere ein Raum ungeahnter Möglichkeiten werden und aus der Angststarre ein ‚Lebe und helfe leben!‘ Wir sind in die Schöpfung gestellt, auf den Boden der Tatsachen, in einen weiten Raum, der uns anvertraut ist. Einen Raum, um gehört und gesehen zu werden. Einen Raum, der auch jeder und jedem anderen zusteht. Wir sind nicht hilflos. Andere sind mit uns auf der Suche nach Möglichkeiten, sinnvoll zu handeln. Jede und jeder kann dabei helfen.

Mich erinnert das Bild oben daran, was Gott uns zutraut: Es ist auf der schon erwähnten Puerta del Sol entstanden und zeigt die Füße einer Klasse auf dem sogenannten ‚Nullkilometerpunkt‘ von Spanien. Die Schülerinnen und Schüler waren damals in der fünften Klasse, ganz neu an unserer Schule und schon auf dem Weg in unbekannte Welten. Sie mussten sich großen Herausforderungen stellen, haben sie zusammen gemeistert und ihre Füße miteinander auf weiten Raum gestellt. Ein bisschen, wie die Mannschaft des Raumschiffs Enterprise …

Noch sind die Weiten der Plätze und Räume groß. Ich hoffe, dass es Euch gelingt, in dieser besonderen Situation nicht nur die Leere zu sehen, all das, was fehlt, sondern bewusst wahrzunehmen, was alles trotzdem da ist und was in Zukunft da sein sollte. Damit wir nicht nur den Notstand verwalten, sondern entstandene Freiräume erkunden und mit Gutem füllen, als Raum-Erfahrer sozusagen.

So wünsche ich Euch allen einen gesegneten Tag!
(Und wie Mr. Spock sagen würde: Lebe lang und in Frieden!)

Eva Bockstiegel

Morgenimpuls am 26. Mai 2020

Liebe Schulgemeinschaft,

wir starten in diesen neuen Tag mit einem Liedtext, der wie viele andere Kirchenlieder auch ein Gebet ist. Es ist ein Gebet, das sich ganz und gar mit dem vor uns liegenden Tag beschäftigt. Bevor wir den Text lesen, fragen und beobachten wir uns selbst:
Wie ist unsere Stimmung an diesem Morgen? Sehen wir dem Tag optimistisch und gut gelaunt entgegen? Erwarten wir schöne Dinge, freuen wir uns auf etwas, was wir an diesem Tag vorhaben? Oder fällt es uns schwer, den Tag zu starten, weil es uns nicht gut geht, weil wir keine Lust haben auf das, was heute ansteht, weil im Moment alle Tage sehr gleich ablaufen und wir uns kaum noch motivieren können oder weil wir Angst haben vor dem, was uns heute erwartet.

Egal in welcher Stimmung wir sind, das folgende Gebet fängt uns auf und gibt uns eine Perspektive.

Gib mir Kraft für einen Tag,
Herr, ich bitte nur für diesen,
dass mir werde zugewiesen,
was ich heute brauchen mag.

Mit wenigen und einfachen Worten bitten wir Gott, den Herrn, um Kraft und alles, was wir heute brauchen werden: Motivation, Ausdauer, Geduld, Entschlossenheit, eine geschickte Hand, Erfolg, Spaß und vieles mehr. Gott will uns mit all diesen Dingen versorgen, die wir brauchen. Wenn wir Gott sagen, dass wir uns an diesem Morgen schwach fühlen und ihn um Kraft bitten, werden wir automatisch neue Kraft und Zuversicht spüren. Wir werden uns gestärkt fühlen, wenn wir mit Gott reden und darauf vertrauen, dass er uns hört und helfen wird.

Das Gebet lenkt außerdem unseren Blick auf kleine Schritte und Abschnitte: Wir bitten um „Kraft für einen Tag“ und „nur für diesen“. Wie oft machen wir es uns selbst schwer, weil wir an zu viele Dinge denken und uns zu viel vornehmen. Noch den ganzen Sommer Kontaktbeschränkungen, vielleicht das ganze Jahr Corona, noch soundso viele Wochen bis zu den Zeugnissen, noch so viele Arbeiten, so viele Aufgaben für diese Woche im Homeschooling … Anstatt nur an diesen Tag zu denken, haben wir schon die ganze Woche mit all ihren Aufgaben im Kopf. Anstatt die Arbeit in kleinen überschaubaren Schritten zu sehen und anzugehen, wollen wir immer gleich das Ergebnis sehen und werden entmutigt, wenn es länger dauert. Anstatt das Besondere an diesem Tag zu sehen und uns daran zu freuen, gehen wir unaufmerksam darüber hinweg, weil wir ja noch so viele andere Sachen in den nächsten Tagen vorhaben.
Mir nimmt es eine Last von den Schultern, wenn ich mir bewusst mache: Es ist erst einmal nur dieser Tag dran. Ich kann mich ganz darauf einlassen und die kleinen Schritte gehen, die er mir abverlangt. Ich brauche nicht entnervt an das Pensum der nächsten 7 Tage zu denken, sondern nur an die nächsten 12-16 Stunden. Und dann sehe ich weiter.

Und wenn ich mal bewusst nur auf diesen Tag achte, merke ich plötzlich, wie viel Gott mir an Kraft und allem, was ich brauche, für diesen Tag gibt: aufmunternde Worte der Eltern, Lachen mit Freunden, Konzentration bei der Arbeit, Hilfestellung durch einen Freund oder Lehrer, ein leckeres Essen, das mir Energie gibt …
Gott sorgt für uns und man kann am Ende des Tages zufrieden sagen: Danke, Gott, für diesen einen Tag, du hast mich versorgt und warst mit deiner Kraft bei mir und ich habe diesen Tag bewusst erlebt.

Vielleicht sprecht ihr nun noch einmal ganz bewusst dieses kleine Gebet als „Kraftimpuls“ für diesen Tag (oder hört euch auf YouTube eine der verschiedenen Aufnahmen an).

Gib mir Kraft für einen Tag,
Herr, ich bitte nur für diesen,
dass mir werde zugewiesen,
was ich heute brauchen mag.

Ich wünsche euch allen einen Tag voller Zufriedenheit und Freude an dem, was dieser Tag euch bringen wird.

Uta Janßen