Morgenimpuls am 19. Mai 2020

Guten Morgen, liebe Schulgemeinschaft!

Über folgenden Link gelangt ihr zu einem Bild von Ernst Barlach. Es trägt den Titel „Der neue Tag“. Bitte schaut euch dieses Bild in Ruhe an.

https://nierendorf.com/deutsch/kataloge/Barlach_2012/Bilder/085.htm

Vielleicht sind euch ähnliche Gedanken gekommen wie in dem folgenden Gespräch:

Was ist das denn für ein Bild – sieht ja irgendwie etwas eigenartig aus.

Auf den ersten Blick vielleicht; das kann sein. Du musst etwas länger hinschauen.

Da blasen zwei auf Trompeten oder Posaunen oder so was. Das sieht nach Lärm aus. Nein, das ist nichts für mich. Lärm habe ich schon genug. Und das ist ja alles nur Schwarz-Weiß.

Aber jetzt guck doch mal richtig hin! Die zwei posaunen etwas heraus; die posaunen etwas in die Welt hinaus. Schau doch mal, wie die mit aller Kraft blasen! Und in welchem Licht-Glanz die stehen! Das sieht so aus, als würde hinter denen die Sonne aufgehen. Da kommt ein neuer Tag! Da beginnt etwas Neues, das die Dunkelheit vertreibt.

Ja und?

Und das ist doch genau die frohe Botschaft des Neuen Testaments. Wir haben doch eine gute Nachricht, die wir hinausposaunen können. Hör nur einmal zu! Dann weißt du wieder, worum es in dieser Zeit geht.

Ein Beispiel für diese frohe Botschaft spiegelt das am 4. Sonntag der Osterzeit verlesene Evangelium nach Johannes (Joh 10,1-10) wider.

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Pastor Stefan Tietje hat Gedanken zu diesem Evangelium festgehalten, die ich euch gerne mit auf den Weg geben möchte:

„Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen“. Mit einem wunderbaren Bild beschreibt Jesus die vertraute Beziehung, der er zu uns sucht. Er spricht von dem guten Hirten, der für seine Schafe da ist. Zugegeben: das Wunderbare an diesem Bild findet man nur, wenn man sich darauf einlässt und sich nicht sofort abschrecken lässt von dem Gedanken: „Ich will doch kein Schaf sein.“ Wer sich jedenfalls darauf einlässt, kommt in den Genuss, einen guten Hirten für sein Leben zu haben. Er ist ein Hirt, der für uns sorgt, der uns verteidigt – sogar mit seinem Leben verteidigt – und der alles gibt, was wir zum Leben brauchen. Keine Gefahr, keine unsichere Zukunft – auch kein Corona – und nicht einmal der Tod können ihn davon abhalten, uns auf eine „gute Weide“ zu führen, uns also Leben zu geben, ewiges Leben in Freude und Fülle.
Es ist ein Hirt, der uns kennt und der möchte, dass wir ihn kennen. Er jedenfalls kennt uns besser als jeder andere und ruft jeden von uns vertraut mit Namen. Er kennt uns, weil er uns mit dem Vater geschaffen hat.

Und er kennt uns nicht nur äußerlich – er hat nicht nur jedes Haar auf unserem Kopf gezählt. Er kennt nicht nur unsere Gewohnheiten und Pläne, unsere Vorlieben und Schwächen. Die kennen ja unter Umständen auch große Datensammler wie Google & Co. Jesus kennt auch unsere geheimsten Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte, ja jeden unserer Gedanken. Doch was uns bei Internetfirmen unheimlich vorkommen könnte, das kann uns bei Jesus zu großem Vertrauen führen. Denn dieser gute Hirte kennt uns eben deshalb so gut, weil er uns liebt – so wie Eltern ihr Kind kennen oder wie uns ein guter Freund kennt. Er kennt uns also nicht nur aus Allwissenheit heraus, sondern aus Liebe. Und während Konzerne die Daten nutzen, um uns ihre Produkte anzudrehen und irgendwie Profit daraus zu ziehen, will Jesus nichts von uns, sondern alles nur für uns: Er will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben. Er will, dass wir an seinem wunderbaren Leben mit Gott, dem Vater teilhaben. Er will seine Freude und sein Glück mit uns teilen für die Ewigkeit. Zu diesem Leben ruft er jeden Einzelnen von uns – beim Namen.

Wir Christen haben also allen Grund, jeden Tag freudig zu begrüßen, da wir einen Wegbegleiter an unserer Seite haben.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten neuen Tag.

Andrea Lampen

Dieser Beitrag wurde unter Morgenimpuls (alle) veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.