Impuls für den Monat Januar: Geschenkte Zeit

18. Januar 2021 | Isabell Heck | Kategorien: Aktuelles

„Zeit ist Gnade“ – Diese Lebensweisheit verstehe ich umso besser, je älter ich werde und je mehr Lebenszeit hinter mir liegt. Oft höre ich von älteren Leuten den Satz: „Wenn ich jeden Tag gesund aufstehen darf, dann bin ich froh und zufrieden“. Solche Dankbarkeit trifft genau das, was Gnade meint: ein unverdientes Geschenk. Ja, Gesundheit und Zeit sind ein Geschenk! Theologisch gesprochen: Sie sind Gnade.
Zum Wesen des Geschenks gehört, dass es einen Empfänger braucht. Ein Geschenk muss angenommen werden. Es ist der Ausdruck einer Beziehung, die der Schenkende zum Beschenkten hat und die er für wertvoll erachtet. Das Materielle am Geschenk verweist daher auf das Vertrauen und auf die Zuneigung, die ein Schenkender für den Beschenkten empfindet.

Dass die Zeit ein solches Geschenk ist,
das uns von Gott aus Liebe gegeben ist,
lässt sich auf dem Bild erkennen:
Die Zeit strukturiert das Leben der Menschen.
Sie wird nicht gemacht, sondern ist uns geschenkt.
Und sie hat etwas mit Gott zu tun.

„Meine Zeit steht in Deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in Dir“, so heißt es in einem bekannten Lied. Es erinnert uns an diese Zeit-Vor-Gabe Gottes. Wer sein Leben täglich vertrauensvoll in die Hände dessen legt, der die Zeit schenkt, der kann gelassen leben. Er wird frei von der Sorge um sich selbst und somit frei für die Sorge um andere und für die Welt. Er wird dankbar seine Zeit gestalten und genießen.

aus: Lechner, Martin, Gabriel, Angelika, Anstößiger Glaube – Anstöße zum Glauben?!, Spirituelle Impulse aus einer Fotostudie mit Jugendlichen, München 2009, S. 8ff.

Gerade jetzt in der Zeit des zweiten Lockdowns sind wir gezwungen, unsere Zeit neu zu strukturieren bzw. zu gestalten. Während wir vor einem Jahr noch unbekümmert und uneingeschränkt unsere Zeit mit persönlichen Begegnungen, Restaurant- oder Kinobesuchen und Shoppingtouren füllen konnten, scheint die Zeit, in der wir unsere Kontakte einschränken müssen, nie enden zu wollen. Doch lässt sich diese Zeit auch als Chance nutzen; als Chance, sich mit sich selbst auseinander zu setzen oder seine bisherige Zeiteinteilung zu reflektieren: Wie viel Zeit habe ich für die Schule bzw. meinen Beruf aufgebracht? Wie viel Zeit habe ich verwendet, um mir selbst etwas Gutes zu tun? Wie viel Zeit habe ich in Beziehungen oder Freundschaften investiert? Bin ich damit zufrieden oder möchte ich etwas ändern? Wer oder was ist bisher eventuell zu kurz gekommen?

Nimm dir Zeit zum Arbeiten – das ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Denken – das ist die Quelle der Macht.
Nimm dir Zeit zum Spielen – das ist das Geheimnis der ewigen Jugend.
Nimm dir Zeit zum Lesen – das ist die Grundlage der Weisheit.
Nimm dir Zeit für deine Freunde – das ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zum Träumen – sie zieht deine Seele zu den Sternen hinauf.
Nimm dir Zeit zum Lachen – das ist Musik für deine Seele.

Irischer Segenswunsch

So segne uns Gott, der Herr,
der unsere Zeit in Händen hält,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Ich wünsche uns allen einen gelungenen Start in die Woche
Isabell Heck (Schulpastoral)