Politik hautnah: Kreative Projekte aus dem Jahrgang 13

09. April 2026 | Homepage-Team | Kategorien: Aktuelles, Politik, Wettbewerbe

Der Politikkurs po365 (Jahrgang 13) von Herrn Kreutzmann kann gleich zwei besondere Projekte präsentieren, die zeigen, wie engagiert und vielseitig politisches Arbeiten im Unterricht sein kann. Beide Projekte sind im Rahmen des Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung der Bundeszentrale für politische Bildung Bonn entstanden.

Auszeichnung für Videobeitrag zum “Dönerstreit”
Eine Kleingruppe, bestehend aus Can Caratas, Lukas Köhle, Tilo Fenstermann, Milan Brockhaus, Oliver Tepfer, Marcel Ramler, hat mit einem Videobeitrag zum sogenannten „Dönerstreit“ zwischen der EU und der Türkei aus dem Herbst 2025 erfolgreich am Wettbewerb teilgenommen. In ihrem Beitrag setzten sie sich mit der Frage auseinander, was genau als „Döner“ gelten darf – und ob die in vielen Imbissen verkauften Produkte weiterhin so heißen dürfen.
Der Einsatz wurde belohnt: Die Gruppe gewann einen Preis in Höhe von 100 Euro!

Prof. Volker Depkat

Interviewprojekt zur politischen Lage in den USA
Eine weitere Kleingruppe (Franciska Korte und Gesa Volbers) beschäftigte sich intensiv mit der politischen Situation in den USA, insbesondere im Kontext des Mordes an Charlie Kirk (2025). Eigenständig nahmen sie Kontakt zu dem Historiker Prof. Volker Depkat (Universität Regensburg) auf und führten ein fundiertes Interview. Prof. Depkat ist unter anderem durch seinen Podcast „Amerika verstehen“ im Deutschlandfunk bekannt.


Das gesamte Interview kann hier nachgelesen werden:

Interview mit Prof. Depkat

“Ich hasse meine Feinde!” (Trump). Radikalisierung der USA? Interview mit Prof. Dr. Volker Depkat zur Debatte um die Ermordung des Aktivisten Charlie Kirk (+10.09.2025)

Im Rahmen einer schulischen Projektarbeit im Fach Politik haben wir, Schülerinnen der 13. Klasse, uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich eine Gesellschaft im Kontext aktueller gesellschaftlicher Konflikte emotionalisieren, polarisieren und radikalisieren kann. Im Mittelpunkt stand dabei der konservative Aktivist Charlie Kirk, dessen Ermordung am 10.09.2025 weit über die USA hinaus politische und mediale Debatten ausgelöst hat.  

In diesem Kontext haben wir ein Interview mit Prof. Dr. Volker Depkat geführt, der, 1965 in Texas geboren, heute als deutsch-US-amerikanischer Historiker an der Universität Regensburg tätig ist, wo auch er mit dem Schwerpunkt der Geschichte Nordamerikas forscht. Aufgrund seines breiten historischen und kulturwissenschaftlichen Hintergrundwissens konnte Prof. Depkat als Experte einen differenzierten Überblick über die Bedeutung des Attentats auf Charlie Kirk vermitteln; nicht nur mit Blick auf die USA, sondern auch in Hinblick auf die Wahrnehmung und Einordnung in Deutschland. Im Folgenden ist ein Auszug aus dem Interview zu lesen:

Kirk wird in christlich-konservativen Kreisen oft als Märtyrer angesehen. Wie weit reicht sein Einfluss tatsächlich noch nach seinem Tod?

Kirk war auch vor seinem Tod bereits ein einflussreicher Aktivist, der aktiv auf die Jugend gesetzt hat. Er ist bewusst auf beispielsweise Colleges mit vorherrschend liberalen Meinungen zugegangen, hat dort seine konservative Agenda verbreitet und somit viele Follower gefunden. Sein Netzwerk “Turning Point USA” hat ebenfalls viele Jugendliche mobilisiert. Durch seinen Tod ist Charlie Kirk natürlich eine Märtyererfigur geworden, die er vorher nicht war und ist als jemand, der für die “konservative Sache” gestorben ist, in diesen Kreisen noch mächtiger geworden als zuvor. Auf seiner Gedenkfeier hat Trump durch Polarisierung “von ganz oben” dafür gesorgt, dass Kirk zu dieser Märtyrerfigur wird. Während seine Witwe Erica dem Attentäter Kirks in christlicher Aufrichtigkeit vegeben hat, sagte Trump, “Ich hasse meine Feinde!”. Kirks Leben soll also direkt politisch instrumentalisiert werden. Dieses Phänomen lässt sich in vielen sozialen Bewegungen finden, auch die Nazis hatten Märtyrer in den sogenannten “Märzgefallenen” beim Hitlerputsch.

Erica und Trump haben auf Kirks Gedenkfeier gegensätzliche Pole dargestellt, wobei Erica sich auf christliche Vergebung und Trump auf Feindeshass berufen hat. Wie groß schätzen sie die Verknüpfung von Politik mit Religion generell ein?

Lange Zeit hatte Religion in den USA die Funktion eines moralischen Fundaments, das zu Gemeinwohl und gesellschaftlicher Bindung verpflichtet hat, da die Politik dies nicht leisten konnte. Jetzt wird Religion zum Element der Polarisierung mit der rechten konservativen Agenda verbunden und zur Durchsetzung der eigenen Sache von Trump instrumentalisiert. Eine weitere Verbindung erfolgt zwischen Christlichkeit und Nationalismus mit einer Schlagseite nach rechts. Eine merkwürdige Mischung, da das Christentum an sich eine transnationale Gemeinschaft aller Gläubigen ist. Religion stiftet also nicht mehr primär sozialen Frieden durch Bindung an das Gemeinwohl, sondern wird als Teil der gesellschaftlichen Kulturkämpfe eng verbunden mit der konservativen Agenda, die von politisch ganz oben zur Polarisierung eingesetzt wird. Trumps Aussage “Ich hasse meine Feinde” erstreckt sich also auf all die, die liberal eingestellt oder Atheisten sind.

Diese Kulturkämpfe simd ja nichts grundsätzlich Neues. Wie sehr haben diese sich durch das Attentat auf Kirk verschärft?

Ich glaube, es handelt sich um eine neue Radikalisierungsstufe eben durch die Instrumentalisierung von oben. Seit den 80er Jahren kam es unter Präsident Ronald Reagan zu einer Moralisierung und Ideologisierung der Politik, wobei der demokratische Konsens zunehmend erodiert wurde, während die religiöse Rechte sich zu einen immer stärkerem Faktor entwickelte. Das radikalisiert Trump. Das Attentat Kirks stellt nun eine neue Eskalationsstufe dar, in der Trump die Forderungen dieser religiös rechten Wählerschaft bedient. Man hätte denken können, dass die Ermordung Kirks als “Rote Linie” gesehen wird, die die Luft aus dem Polarisierungstrend nimmt. Das hat jedoch nur Erica Kirk umgesetzt und nicht die Seite der offiziellen Politik, vor allem unter Trump. Natürlich ist es auch nicht in Ordnung, dass auf der linken Seite die Ermordung Charlie Kirks gefeiert wird. Insofern haben beide Seiten ihren Teil zur Polarisierung beigetragen.

Wie wurde das Attentat auf Kirk denn in Deutschland aufgenommen, welche Gefühle hat es ausgelöst?

Ich habe das so wahrgenommen, dass die Deutschen gar nicht verstanden haben, welche Macht die religiöse Rechte in den USA besitzt, weil wir diese in Deutschland nicht haben. Das hat zu vielen Fehldeutungen geführt, wie die Hoffnungen auf ein Ende von Trumps Regierung. Da jedoch keine politisierte religiöse Rechte in Deutschland existiert, droht uns so etwas nicht in der Form. Nichtsdestotrotz ist die gesellschaftliche Polarisierung auch in Deutschland weit vorangeschritten, jedoch mit einer anderen Dynamik. So sind wir weit von einer Moralisierung in der Politik, wie es in den USA der Fall ist, entfernt, da wir weitestgehend säkularer werden. Man kann also keine unmittelbare Eins-zu-eins-Übertragung vornehmen, bei uns gibt es andere Faktoren der Polarisierung als Religion.

Gesa Volbers / Franciska Korte

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