Märchen- und Balladenerzähler Eberhard Vogelwaid besucht das Gymnasium Leoninum

Am 19. Und 20. November 2018 besuchte der Märchen- und Balladenerzähler Eberhard Vogelwaid unsere Schule. Er erzählt schon seit 29 Jahren Märchen und seit 10 Jahren Balladen. Auch schreibt er selbst Texte, vor allem dichtet er Balladen. Märchen schreibt er allerdings nicht so gerne.
Aber wie ist er eigentlich darauf gekommen, Balladen zu erzählen? Als er einmal schwer krank war, legte ihm seine Frau ein Buch der Gebrüder Grimm – „Die Kinder- und Hausmärchen“ – an sein Bett. Er las viel darin und lernte das Märchen „Rumpelstilzchen“ auswendig. Dieses erzählte er den Kindern in einem Kindergarten, in dem seine Frau als Erzieherin arbeitete. Die Kinder wollten das Märchen immer und immer wieder hören. Also gab er letztendlich seinen alten Beruf – den des Bäckers – auf und wurde Märchen- und Balladenerzähler. Inzwischen kann er etwa 240 Gedichte, Balladen und Märchen auswendig vortragen. Seine Lieblingsballaden sind „Verzweiflung Nr.1“, „Der Handschuh“ und „Die Rechenstunde“. Sein Lieblingsmärchen ist „Hänsel und Gretel“. Der Balladenerzähler hat Spaß daran, die Geschichten auswendig zu lernen und die verschiedenen Gefühle beim Vortragen nachzustellen und nachzuempfinden. Er sagt allerdings, er sei kein Schauspieler. Die Schülerinnen und Schüler fanden, dass er die Balladen sehr gefühlvoll, mit guter Betonung und sehr interessant vorgetragen hat. Den meisten Zuhörern gefiel die Ballade „Die Silvesternacht“ am besten, weil sie sehr spannend ist.

Lia Hamacher, Sophie Hüsing, Charlotta Grüber aus der Klasse 7f

Impuls zur Fastenzeit – Woche 7 – Auferstehung

In Bewegung sein

In der eigenen Spurrille
longieren
im vorgegebenen Takt
starre Raster
zurren
atemlos
den Stein
hochwälzen

Nichts Neues
Unter der Sonne

Die Welt windet
fliegend im Herzschlag
leise Laute lallend
lebendig
den Stein weggefegt

Siehe
Alles neu

(Johanna Hinz)

Der auferweckte Messias

Das abgebrochene Werk war nur der Anfang.
Der Tod war nicht das letzte Wort.
Der Retter der Welt wirkt weiter.
Der Sinn ergibt sich immer erst am Ende.
Gottes Kraft zeigt sich im Schwachen.

(Frank Hofmann)

 

Für welche Erfahrungen des Scheiterns sind Sie im Nachhinein dankbar?

Impuls zur Fastenzeit – Woche 6 – Gerechtigkeit

Ein Murmeln geht über den Platz im Herzen der Stadt. Ein Raunen, ein Zischen, ein Grummeln. „Wir haben ein Recht auf das Beste. Ein Recht haben wir auf ordentliche Straßen und ausreichend Parkplätze. Wir haben ein Recht auf billiges Telefonieren und billige Flüge. Wir wollen Erdbeeren allezeit, wir haben ein Recht auf Qualität. Ein Recht auf ordentliche Bildung haben wir, wir wollen Fernsehen auf 94 Sendern, wir haben ein Recht auf Unterhaltung. Ein Recht auf ein erstklassiges Leben haben wir, jawohl!“ Ihre Gesichter sehen verbissen aus, wie sie einzeln durch die Straßen eilen.
Da stellt sich ein Mann auf eine Bank. Sein Mantel flattert im Wind. „Ihr habt auf gar nichts, aber auch auf überhaupt nichts ein Recht. Versteht ihr? Euer Leben ist ein Geschenk, Glück gehabt, dass ihr diesen wunderbaren Stern besuchen dürft, wunderbar, wie lange ihr bleiben könnt. Ihr Kleinkrämer, ihr Neidversessene! Was für ein Glück ihr habt, dass ihr Krokusse und Regenbögen saht, dass ihr ein paar sternenklare Nächte erlebtet, dass das Meer zum Schwimmen und der Himmel zum Gucken einlädt. Wunderbar, dass ihr die Gelegenheit habt, Himbeeren zu kosten, eine Nachtigall zu hören und Beethovens Violinkonzert. Wunderbar, dass Ideen durch eure Köpfe toben und ihr jede einzelne von ihnen beim Wort nehmen könnt. Ihr habt Menschen getroffen, die es gut mit euch meinen. Ihr könnt euch verlieben! Euer Herz pocht, ihr lebt. Ihr könnt lachen und weinen, denn wer weint, lässt sich berühren. Und der Schlaf, vergesst nicht den Schlaf. Wie großartig, acht Stunden in einen Traum zu fallen. Acht Stunden vergessen zu dürfen, nicht denken, nicht planen, nicht sorgen. Und ihr seid bisher jeden Morgen wieder aufgewacht, und ein neuer Tag legte sich vor eure Füße. Bitte schön. Ich gehöre dir. Mach mit mir, was du willst. Die Fantasie, ihr habt die Fantasie, in der alles möglich ist. Eine Welt nach euren Entwürfen, unendlich oft verwandelbar. Ihr könnt Geschichten erfinden und Leben und das Unmögliche. Und die Lieder, vergesst die Lieder nicht. Ihr könnt singen zu eurem Vergnügen.
Und dann sind da noch die Glühwürmchen in der Nacht, die für euch leuchten, und die Linden, die duften, genau wie die Straßen nach einem großen Regen.
Das alles, das alles ist für euch.
Aber ein Recht darauf?
Ein Recht darauf, das gibt es nicht!“
(Susanne Niemeyer)

Nur wenige Menschen ahnen,
was Gott aus ihnen machen würde,
wenn sie sich ihm ganz überließen.
(Ignatius von Loyola)

„Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes Freundlichkeit.“ (1. Korinther 15,10)

 
Verzichte auf dein Recht.

Fastenimpuls – Woche 5 – Arbeit

Bedienungsanleitung für die tägliche Arbeit

1. Liebe deine Aufgabe. Denn sie liebt dich. Du bist ihr Schöpfer. Von dir hängt ihr Aussehen ab, ihre Funktion, ihre Qualität, ihr Sein. Du malst das Bild. Du schreibst die Mail. Du fegst die Treppe. Du leitest die Sitzung. Nur was geliebt wird, wird gut.

2. Sei groß. Denn du bist es. Es macht mehr Spaß, sich groß zu fühlen als klein. Dann sei es auch. Gib, was du hast; tu, was du kannst. „Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Jemand stärkt dir den Rücken.

3. Tu, was du tun willst, mit ganzer Kraft. Denke an den Sprung über den Bach. Wenn du beim Absprung zögerst, gehst du mit  großer Wahrscheinlichkeit baden.

4. Vergleiche dich nicht. Erstens bist du dann nicht mehr bei der Sache. Zweites gibt es immer jemanden, der besser ist als du. Du musst nur lang genug suchen. Also kannst du auch gleich damit aufhören. Mach deine Sache so schön du kannst.

5. Fang an. Du bist ein Verwandler/ eine Verwandlerin. Was immer du tust: Verwandle die Welt in einen besseren Ort. Eine freundliche Mail ist ein Anfang. Ein Erdbeerkuchen auch.

(Susanne Niemeyer)

 

„Gott hat uns keinen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“                      2. Timotheus 1,7

Schaffe etwas Großes! Oder etwas Kleines – fang an!

Impuls zur Fastenzeit – Woche 4 – Liebe

„Liebe alles!“
„Alles? Die Mücken? Den Schneeschauer im April? Die Montagsträgheit? Unfreundliche Bedienungen?“
„Die auch!“
„Aber es stimmt doch gar nicht. Ich liebe sie nicht. Sie nerven mich!“
„Es stimmt dann nicht, wenn du dein Gefühl bestimmen lässt. Aber lieben ist mehr als ein Gefühl. Es ist eine Haltung.“
„Das klingt gewollt.“
„Ist es ja auch. Du kannst selbst entscheiden, wie du unangenehmen Dingen begegnest. Du kannst sie hassen oder ignorieren oder verachten oder betrauern. Oder du liebst sie. Lieben ist das schönere Gefühl.“
„Entschuldige bitte, aber das ist verrückt!“
„Stimmt. Es verrückt die Gewichte. Es verändert die Mächte, es befreit dich.“

„Aber was ist mit einer Krankheit? Die lässt sich kaum davon schrecken, dass ich sie liebe. Sie bleibt eine Krankheit. Und auch der Liebeskummer wird nicht auf einmal schön. Und der Tod, er kommt dennoch, wann er will.“
„Aber du entscheidest, wie du ihm begegnest. Wenn du liebst, sagst du: Tut mir leid, ich spiele nicht mit. Ich akzeptiere, dass es Mücken, Schmerz und Langeweile gibt, aber sie werden nicht das letzte Wort haben. Ich widerspreche. Und mein Widerspruch ist die Liebe. Weil die Liebe immer größer ist. Sie hört nie auf, auch da nicht, wo der Tod ein Ende setzt. Du kannst ihn nicht verhindern, aber dass er dich auffrisst und dass der Schmerz dich auffrisst und die Wut und alles das, das kannst du verhindern. Die Liebe ist ein riesengroßes Trotzdem. Sie wird vielleicht nicht den Tod verändern, aber dich. Sie ist das einzige Mittel, das Schwäche mächtig macht. Die Liebe fordert nicht, sie gibt. Sie macht dich stark. Sie ist dein Schutz, dein Schild, dein fester Boden.“
Susanne Niemeyer

Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

nach Rainer Maria Rilke

Versuche, allem mit Liebe zu begegnen.

Impuls zur Fastenzeit – Woche 3 – Heimat

Kirche von innen

Das Wuseln einer Stadt. Du mittendrin. Mit Kaufhaustüten in der Hand und gestresstem Blick im Gesicht. Es ist Donnerstagnachmittag, es ist voll, es ist laut. Du brauchst eine Pause.

Geh´ in eine Kirche. Dein Zuhause überall auf der Welt. Hier hast du Heimatrecht. Ein unsichtbares Schild hängt an der Tür: Offen für jeden. Eintritt frei. Keine Gegenleistung erforderlich.
Stille umfängt dich. Im dämmrigen Licht hängt der Geruch von Kerzenwachs. Setze dich auf eine der Bänke. Du bist nicht allein, andere sind längst da gewesen, gestern und heute: Die Bäuerin, die im Jahr 1794 auf eine gute Ernte hofft. Die Witwe, die um ihren im Osten verscharrten Mann weint. Die 17-Jährige, die schwanger ist und nicht weiß, wem sich anzuvertrauen. Der Vater, der glückselig seine Zwillinge taufen lässt; 1894 oder 2014, wer weiß.
Gott ist da, der in ihren Geschichten wohnt, in ihren Träumen und in ihrer Sehnsucht. Du lauschst dem Mann auf der Suche nach der Zeit, der Frau mit ihrem Dank für Genesung, dem Touristen, der Pilgerin, dem Hochzeitspaar. Ihre Gebete hängen in den Mauernischen, ihre Hoffnungen schweben im Längsschiff, ihre Wünsche, ihre Bitten, ihre Trauer. Herzensanliegen. Ihre Geschichten machen die Steine lebendig. Jeder Balken ist zum Gebet geworden durch sie. Ein immerwährendes Wispern. Die Wände haben jedes Wort bewahrt, jedes Seufzen, jeden Wimpernschlag. Nichts ist verborgen.
Dieses Haus gehört Gott. Hier sind die Gedanken frei. „Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Gott, nicht schon wüsstest.“ (Ps 139,4) Hier können sie sich ausbreiten.
Wichtigkeiten verschieben sich. Bedrohliches schrumpft auf Augenhöhe. Weil alles schon mal da gewesen ist. Du bist nicht allein mit deinen Sorgen.
Tausende waren vor dir da. Tausende werden nach dir kommen. Ihr singt gemeinsam, einen unendlichen Choral. Ein Augenblick Ewigkeit an einem Donnerstagnachmittag.

(Susanne Niemeyer)
Heute: Ausschlafen und tagträumen, losgehen und einen ganz persönlichen heiligen Ort suchen. Einen Ort, der Kraft hat, dich zu verwandeln – und dem Himmel ein bisschen näher zu bringen.
Glaube braucht solche Landeplätze. Wünsche und Gebete im luftleeren Raum verfliegen schnell. Gut ist es, sie zu verankern, damit sie wirken können, Wirklichkeit werden. Auch, aber nicht nur in der Kirche.

(Melanie Kirchstein)
Wo ist ein heilsamer, heiliger Ort für dich? Suche dir deine heiligen Orte!

Alexandra Adam gewinnt Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs

Quelle: Lingener Tagespost vom 02.03.2015

Nachdem Alexandra Adam bereits im Dezember letzten Jahres Schulsiegerin des Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geworden war, fand am 25.02.2015 der Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs in der Oberschule Lengerich statt. Alexandra Adam vertrat das Gymnasium Leoninum Handrup mit dem Buch „Für Akkie“ von Jacques Vriens. In der ersten Runde musste jeder Teilnehmer ein von ihm ausgewähltes Buch vorstellen.
Nach der ersten Runde folgte eine kleine Pause mit Getränken und Kuchen. In der zweiten Runde musste jeder aus dem Buch „Star“ von Salah Naoura etwas vorlesen. Dies gelang allen mit Bravour. Während die Jury sich nun zurück zog, führten ein paar Schülerinnen und Schüler der Oberschule ein Theaterstück auf Plattdeutsch auf.
Danach spielte das Schulorchester ein paar Lieder.
Als die Jury wieder zurück kam, verkündete die Siegerin des letzten Jahres den Sieger. Dies war Alexandra Adam aus der 6c. Dies ist ein großer Erfolg für die Schule. Wir drücken Alexandra für den Bezirksentscheid die Daumen!

verfasst von Ronja Kamp, Nele Hockling, Lena Giese (Klasse 6c)

(Foto: Lingener Tagespost, 02.03.2015)

Impuls zur Fastenzeit – Woche 2 – Freiheit

Eine stachelige Raupe sprach zu sich selbst:
Was man ist, das ist man.
Man muss annehmen, wie man ist,
mit Haut und Haaren.
Was zählt, ist das Faktische.
Alles andere sind Träume.
Meine Lebenserfahrung lässt keinen anderen Schluss zu:
Niemand kann aus seiner Haut.

Als die Raupe das gesagt hatte, flog neben ihr ein Schmetterling auf.
Es war, als ob Gott gelächelt hatte.

(Lindolfo Weingärtner)

 
„Mach blau“, sagte eines Morgens Gott.
„Tut mir leid, das geht nicht“, antwortest du. „Ich muss den Boden wischen. Die Wäsche waschen. Ich muss die Akten fertig machen, das Mittagessen kochen, die Kinder zum Reiten bringen. Margarethe anrufen. Ich muss abnehmen, einkaufen, meine Beziehung überdenken, die Geburtstagseinladungen verschicken, arbeiten, schlafen, mich kümmern. Ich muss noch so viel tun.“
Gott erbleicht. „Hatte ich dich nicht aus der Sklaverei befreit?“ Forschend fragt er: „Wer befiehlt dir?“ Du beginnst zu Stottern: „Niemand, jedenfalls nicht so direkt. Was du dir immer denkst. So ist es halt… das Leben“

(Susanne Niemeyer)

Was nimmt dich gefangen?

Impuls zu Fastenzeit – Woche 1 – Aufbruch

Sonnenaufgang über Handrup

Neulich, am Boden
Ich: Guten Tag, ich möchte fliegen lernen.
Engel, abschätzender Blick: Das geht nicht.
Ich (verblüfft): Warum nicht?
Engel, deutet auf meinen Kopf: Zu viel Ballast.
Ich: Dafür kann ich nichts!
Engel: Das sagen alle. Aber gut, lassen Sie mal schauen…die Angst hier. Die ist doch ganz schön alt. Haben Sie die etwa konserviert?
Ich: Die brauch ich noch. Man weiß ja nie…
Engel: Und diese Lügen, was ist mit denen?
Ich, trotzig: Die sind für den Notfall.
Engel: Und was haben wir dahinten?
Ich: Ach, da. Das ist meine Bequemlichkeit.
Engel, Stirnrunzeln
Ich, verteidigend: Ich mag es eben, wenn alles bleibt, wie es ist. Was ist daran falsch?
Engel: Sie müssen sich schon entscheiden, was sie wollen!
Ich: Kann ich nicht erst einmal eine Probestunde machen?
Engel: Tut mir leid, leben auf Probe geht nicht.
Ich: Aber ich will doch nur fliegen.
Engel: Das kommt auf´s selbe raus. Also?
(Susanne Niemeyer)

 

Wenn du zum Tor des Lebens gelangen willst, musst du aufbrechen, einen Weg suchen, der auf keiner Karte verzeichnet und in keinem Buch beschrieben ist.
Dein Fuß wird an Steine stoßen, die Sonne wird brennen und dich durstig machen, deine Beine werden schwer werden.
Die Last der Jahre wird dich niederdrücken.
Aber irgendwann wirst du beginnen, diesen Weg zu lieben, weil du erkennst, dass es dein Weg ist. Du wirst straucheln und fallen, aber die Kraft haben, wieder aufzustehen. Du wirst Umwege und Irrwege gehen, aber dem Ziel näher kommen. Alles kommt darauf an, den ersten Schritt zu wagen. Denn mit dem ersten Schritt gehst du durch das Tor. (Wolfgang Poeplau, Conrad Contzen)

Was soll in sieben Wochen anders sein?